Produktdesign trifft Alltagstauglichkeit: Wie Elke Jensen mit dem CityCaddy das Gehen neu inszeniert – und warum der Trolley bald vielleicht auch für Dackel taugt.
Design trifft Daseinsfreude
Es gibt Dinge, die entwickeln sich aus einem Bedürfnis. Und dann gibt es Dinge, die entwickeln sich aus einer Lebenshaltung. Der CityCaddy gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Entwickelt von Elke Jensen, Hamburger Designerin mit Haltung und Handschrift, ist er mehr als ein Trolley, mehr als eine Gehhilfe und deutlich mehr als ein weiteres Produkt aus der grauen Masse der Alltagsassistenzgeräte. Der CityCaddy ist ein Statement – für Mobilität, Ästhetik und die charmante Kunst des Durch-die-Welt-Gehens.
Denn, wie Jensen es beobachtet hat: Der Markt der Fortbewegungshilfen bietet entweder Funktion ohne Form – oder Style ohne Substanz. Sie dachte: Das muss besser gehen. Und zwar auf Rollen.

Gehen als Genussmittel
„Ich bin sehr gern unterwegs, zu Fuß oder auf Reisen“, ließ Elke Jensen einmal verlauten. Eine Haltung, die man ihrem Produkt anmerkt: Der CityCaddy ist kein medizinisches Hilfsmittel, sondern ein ästhetisch inszenierter Alltagsbegleiter mit Understatement. Elegant wie ein Designobjekt, praktisch wie ein Schweizer Taschenmesser – und dabei so unaufdringlich, dass man ihn gern sogar im Lieblingscafé neben sich abstellt. Oder in der Bahn. Oder auf dem Kreuzfahrtschiff, für den Fall, dass es doch einmal Richtung Spitzbergen geht.
Mit seinem stufenlos verstellbaren Ledergriff, dem Wegrollstopper und der raffinierten Kippmechanik lässt sich der CityCaddy wahlweise vor sich herschieben oder nonchalant hinter sich herziehen – je nachdem, ob man den Boulevard entlangflaniert oder sich durch einen überfüllten Regionalzug kämpft.

Form folgt Lebensfreude
In der Gestaltung setzt Jensen auf eine wohltuende Mischung aus Funktionalität und Frohsinn. Edelstahlgestell, handgenähter Ledergriff, kompakte Klappbarkeit – und eine Optik, die sich zwischen Mailänder Chic, Pariser Nonchalance und hanseatischer Understatement bewegt. Die Modelle tragen klangvolle Namen wie CC.PARIS, CC.MAILAND oder CC.HAMBURG. Letzteres übrigens in Kooperation mit dem Hamburger Label fyksin, das ausrangierte Großflächenposter in modische Taschen verwandelt – ein subtiler Gruß aus der Upcycling-Ecke.
In seiner knallig-orangenen Variante wirkt der CityCaddy wie ein Designobjekt auf Mission: sichtbar, auffällig und dabei sympathisch in seiner Funktionalität. Der Clou: Die Tasche ist abnehmbar und in verschiedenen Varianten erhältlich. Wer mag, kann also sein Modell personalisieren – oder einfach dem saisonalen Farbempfinden anpassen.

Für alle Lebenslagen – und alle Lebensstile
Gedacht ist der CityCaddy übrigens keineswegs nur für Senioren. Auch Menschen mit temporären Einschränkungen, Vielreisende oder schlicht: Menschen mit einem Faible für durchdachte Alltagshelfer können zu ihm greifen. Die Traglast liegt bei rund 15 Kilogramm, die Stützlast bei beeindruckenden 100 Kilogramm – man darf sich also durchaus mal für ein Päuschen darauf stützen. Oder, ironisch gedacht: den Yorkshire Terrier darin platzieren, sollte das Männer-Modell jemals auch in einer „Dog Edition“ erscheinen.
Und warum eigentlich nicht? Wenn ein Produkt alterslos, genderneutral und ästhetisch durchdacht ist, dann darf es auch einem kleinen Hund als Thron dienen. Ein CityCaddy als Dackel-Droschke? Karl-Friedrich ist absolut dafür! Wäre nicht die untergewöhnlichste Weiterentwicklung. Eher ein Zeichen, wie sehr Elke Jensen mit ihrem Produkt am Puls eines Lebensgefühls arbeitet.

Made in Germany – aus Überzeugung
In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit oft nur behauptet wird, lässt Jensen lieber ihre Manufakturen sprechen. Produziert wird der CityCaddy vollständig in Deutschland: Die Rahmen entstehen in Zusammenarbeit mit zwei spezialisierten Werkstätten, die Taschen in der Creativ-Ledermanufaktur in Sangershausen. Wenig Kunststoff, keine Verbundstoffe, hohe Reparierbarkeit – das alles wirkt weniger wie ein Marketingversprechen als wie eine Haltung. Eine, die auf Langlebigkeit, auf Werte und auf Erfahrung basiert.
Und Erfahrung bringt Jensen mehr als genug mit: Nach Jahren als Designerin, Galeristin, Hochschuldozentin und Kulturvernetzerin gründete sie mit 70 Jahren das Label ToSomKom, das DesignerInnen mit sozialen Werkstätten vernetzt. Der CityCaddy ist also kein Soloprojekt, sondern Ergebnis einer langjährigen Auseinandersetzung mit Gestaltung, Gesellschaft und dem, was ein gutes Leben ausmacht.
Vom Gehen zum Bleiben
Am Ende bleibt das Gehen. Und damit die wohl unterschätzteste Form des Daseins. Prof. Shane O’Mara, Neurowissenschaftler aus Dublin, nennt es in seinem Buch „Das Glück des Gehens“ eine Superkraft. Wer geht, der bleibt nicht stehen – weder geistig noch körperlich. Der CityCaddy liefert dafür das passende Accessoire: stilvoll, praktisch, mit einem Augenzwinkern und der leisen Botschaft, dass Mobilität keine Frage des Alters ist – sondern des Anspruchs.