Die Ente zieht ins Kloster – und bleibt doch sie selbst

Die Ente verlässt wegen Sanierungsarbeiten den Nassauer Hof und zieht ab dem 18.03.2026 ins Kloster Eberbach. Team und Anspruch bleiben, der regionale Bezug soll stärker werden. Ausführlich: Der Umzug der Ente ins Kloster Eberbach ist mehr als eine logistische Zwischenlösung. Das Sternerestaurant nimmt seine komplette Mannschaft mit und eröffnet im Pfortenhaus mit rund 40 Plätzen. Das Kloster wird damit erstmals dauerhaft Ort für Sternegastronomie.
Restaurantleiter Jimmy Ledemazel und Küchenchef Michael Kammermeier fahren stilecht in einer Ente ins Kloster Eberbach. Fotograf: Arne Landwehr Restaurantleiter Jimmy Ledemazel und Küchenchef Michael Kammermeier fahren stilecht in einer Ente ins Kloster Eberbach. Fotograf: Arne Landwehr
Restaurantleiter Jimmy Ledemazel und Küchenchef Michael Kammermeier fahren stilecht in einer Ente ins Kloster Eberbach. Fotograf: Arne Landwehr

Nach 46 Jahren im Nassauer Hof wechselt die Ente für die Dauer der dortigen Sanierung den Ort, nicht den Anspruch. Ab 18.03.2026 kocht das traditionsreiche Sternerestaurant im Pfortenhaus des Klosters Eberbach – mit vollständigem Team, engem Rahmen und einem stärkeren Blick in die Region.

Ein Umzug ohne Bruch

Rund 40 Plätze. Ein Pfortenhaus. Viel Geschichte in den Wänden. So beginnt für die Ente ein neues Kapitel, das auf dem Papier nach Interim klingt und in der Realität doch mehr ist als eine Ausweichadresse mit gehobenem Besteck. Nach 46 Jahren im Nassauer Hof zieht das Restaurant für die Dauer umfassender Sanierungsarbeiten ins Kloster Eberbach. Eine Institution verlässt ihr Stammhaus – aber sie lässt ihre Handschrift nicht an der Garderobe zurück.

Die Küche bleibt. Der Service auch. Das Niveau sowieso. Das sechsköpfige Serviceteam um Restaurantleiter Jimmy Ledemazel zieht ebenso mit wie das ebenso große Küchenteam unter Michael Kammermeier, der seit fast 20 Jahren die kulinarische Linie prägt und einst zu den jüngsten Sterneköchen Deutschlands zählte. Solche Kontinuität ist in der Spitzengastronomie keine Nebensache. Sie ist das eigentliche Kapital, leiser als jedes Signet, belastbarer als jeder PR-Satz.

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Das Kloster als Resonanzraum

Spannender als der bloße Ortswechsel ist der neue Rahmen. Kloster Eberbach, vielen als Drehort von Im Namen der Rose geläufig, öffnet sein Pfortenhaus damit erstmals dauerhaft für Sternegastronomie. Bislang war dieser Ort exklusiven Veranstaltungen vorbehalten. Jetzt wird aus gelegentlicher Inszenierung ein regulärer Restaurantbetrieb – und genau darin liegt die eigentliche Verschiebung.

Denn ein Haus wie dieses isst mit. Es setzt den Takt, noch bevor der erste Gang den Tisch erreicht. Das Gemäuer trägt Geschichte nicht dekorativ vor sich her, es stellt Ansprüche: an Haltung, an Ruhe, an Präzision. Die Ente trifft dort nicht auf eine leere Bühne, sondern auf einen Ort mit eigener Temperatur, eigener Gravität, eigener Erzählung. Ob das nur ein Übergang ist? Solche Provisorien haben mitunter die unangenehme Eigenschaft, plötzlich sehr endgültig zu wirken.

Das Kloster verantwortet die Gastronomie nun selbst und hat gemeinsam mit der Ente ein neues Angebot entwickelt. Das klingt sachlich. Tatsächlich ist es ein bemerkenswerter Schritt: Aus einem geschlossenen Event-Ort wird ein dauerhaft bespielter Raum, aus historischer Kulisse ein gastronomischer Alltag unter Sternedruck. Weniger Ausstellungsstück, mehr Betrieb. Weniger Ausnahme, mehr Regel.

Mehr Herkunft, ohne Kurswechsel

Die Linie der Ente soll dabei erkennbar bleiben. Die klassische internationale Küche bleibt laut den vorliegenden Angaben bestehen, bekommt nun aber einen stärkeren regionalen Akzent. Produkte aus dem Umfeld des Klosters rücken stärker in den Fokus. Das ist keine Revolution, eher eine leichte Verschiebung des Gewichts – weg vom bloß Weltläufigen, hin zu einer Küche, die ihre Umgebung nicht nur sieht, sondern mitdenkt.

Gerade darin liegt der Reiz dieses Umzugs. Nicht in der Folklore des Klosters, nicht in der kalkulierten Romantik alter Mauern, sondern in der Frage, wie ein eingespieltes Spitzenteam auf einen Ort reagiert, der selbst schon Charakter hat. Die Ente war nie einfach nur ein Restaurantname. Sie war immer auch ein Ritual, ein Versprechen von Verlässlichkeit in einem Gewerbe, das gern jede Saison seine Identität wechselt wie andere die Tischwäsche.

Nun also Pfortenhaus statt Hotel. Vierzig Plätze statt größerer Bühne. Mehr Region, ohne das Internationale zu verabschieden. Das klingt kleiner. Es könnte konzentrierter sein.

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