Acht Yachten, fünf Marken und drei besonders herausgestellte Neuheiten: Ferretti Group nutzt die Monaco Yacht Show 2026 als Schaufenster für die Spannweite ihres Portfolios. Im Mittelpunkt stehen die Riva 54Metri, CRN Amor à Vida und die Custom Line Navetta 35 – drei Schiffe, die weniger durch eine gemeinsame Formensprache verbunden sind als durch den Versuch, Größe, Individualisierung und Technik jeweils anders zu übersetzen.
Der Maßstab heißt jetzt 54 Meter
54 Meter Aluminium. Weniger als 500 GT. Und der Anspruch, Riva auch dort noch als Riva lesbar zu halten, wo die vertraute Eleganz der Marke längst die Dimension eines Superyachts erreicht hat. Die Riva 54Metri ist das größte Schiff, das die Werft bislang gebaut hat – und damit vor allem ein Test, wie weit sich eine gestalterische Identität dehnen lässt, ohne zur bloßen Vergrößerung ihrer selbst zu werden.

Officina Italiana Design, das von Mauro Micheli und Sergio Beretta gegründete Studio, zeichnet seit drei Jahrzehnten exklusiv für die Riva-Formensprache verantwortlich. Bei der 54Metri arbeitet das Studio mit dem Strategic Product Committee und dem Engineering Department der Ferretti Group zusammen. Die bekannten Zutaten bleiben sichtbar: lang gestreckte Proportionen, eine flache, kontrollierte Silhouette, modellierte Flächen, wenig optische Unruhe. Doch in dieser Länge verändern sie ihre Wirkung. Was bei kleineren Modellen als sportliche Präzision gelesen werden kann, wird hier zur Frage von Masse, Horizont und Distanz.
Groß. Flach. Beherrscht. Gerade in diesem Dreiklang steckt die eigentliche Schwierigkeit des Entwurfs, denn 54 Meter lassen sich nicht durch ein paar gestreckte Linien disziplinieren; sie brauchen Übergänge, Schatten, Staffelungen und Oberflächen, die den Körper gliedern, ohne ihn in dekorative Einzelteile zu zerlegen. Dass die Riva 54Metri bei den World Yachts Trophies 2026 in der Kategorie 50 bis 82 Meter für das „Best Exterior Design“ ausgezeichnet wurde, passt deshalb zum Kern dieses Projekts: Hier wird nicht allein Fläche gestaltet, sondern Maßstab.
Die Riva 54Metri ist damit weniger eine radikale Abkehr als eine Vergrößerungsprobe. Die Marke nimmt ihre vertrauten Codes mit in eine Klasse, in der Architektur und Schiffbau unweigerlich enger zusammenrücken. Decks werden zu Landschaften, Fassaden zu langen Horizontlinien, Material zu einem Mittel, um Masse optisch zu kontrollieren. Ein Luxusobjekt, gewiss. Aber eines, dessen interessanteste Frage erstaunlich nüchtern ist: Wie bleibt eine Marke erkennbar, wenn fast alles an ihr größer wird?

CRN: Technik unter der Oberfläche
Bei CRN Amor à Vida liegt der Akzent anders. Die 67,55 Meter lange und 11,50 Meter breite Superyacht verteilt sich auf sechs Decks, kommt auf 1.447 GT und ist für bis zu zwölf Gäste ausgelegt. Die technische Plattform stammt von CRN und der Ferretti Group Superyacht Division, die Gestaltung von Nuvolari Lenard; Valentina Zannier war als Interior Art Director beteiligt. Moran Yacht & Ship begleitete und vertrat den Eigner während Entwurf und Bau.
Interessanter als die übliche Vokabel des Maßgeschneiderten sind hier zwei technische Angaben: Hybridantrieb und Wärmerückgewinnung. Laut Ferretti sollen sie Energieverbrauch und Betriebskosten reduzieren. Wie groß diese Effekte im realen Betrieb ausfallen, wird in der vorliegenden Mitteilung allerdings nicht beziffert. Die Technik bleibt damit plausibel beschrieben, ihre Wirkung aber nur allgemein behauptet.

Navetta 35: Wohnfläche als Verkaufsargument
Die Custom Line Navetta 35 übersetzt Individualisierung in eine kompaktere Größenklasse. 34,5 Meter Länge, 7,7 Meter Breite, drei Decks und mehr als 300 Quadratmeter Innen- und Außenflächen bilden das räumliche Gerüst. Filippo Salvetti verantwortet das Exterieur, ACPV ARCHITECTS Antonio Citterio Patricia Viel die Innenarchitektur; beteiligt sind außerdem das Strategic Product Committee, das Engineering Department und das Custom Line Atelier.
Fünf verkaufte Einheiten nennt Ferretti als Beleg für die Resonanz des Modells. Belastbar ist zunächst nur die Zahl als Unternehmensangabe. Gestalterisch folgt die Navetta 35 einer anderen Logik als die Riva: weniger Ikone auf maximale Länge gezogen, stärker schwimmendes Wohnhaus, bei dem Fläche, Privatheit und die Organisation des Bordlebens ins Zentrum rücken.

Eine Flotte als Markenarchitektur
Neben den drei hervorgehobenen Yachten zeigt Ferretti in Monaco die Riva 130’ Bellissima, Pershing GTX116, Custom Line Saetta 106’, wallypower58 und wallywhy200. Damit steht nicht ein einzelner Stil im Hafen, sondern eine sorgfältig aufgefächerte Markenarchitektur: Riva für die historische Signatur, Pershing für Performance, Custom Line für Individualisierung, Wally für formale und technische Experimente, CRN für den Full-Custom-Superyachtbau.
Der Auftritt schließt an eine intensive Messesaison an. Beim Private Preview im Yacht Club de Monaco hatte die Gruppe nach eigenen Angaben 41 Yachten und fünf Weltpremieren der Marken Itama, Riva, Pershing und Custom Line gezeigt. Global CEO Stassi Anastassov rahmt Monaco entsprechend als Führungsanspruch der Gruppe und verbindet Herkunft, italienisches Handwerk und Innovation mit dem Versprechen weiterer Neuheiten. Die Formulierung ist klassische Konzernrhetorik; interessanter ist, was im Hafen tatsächlich nebeneinanderliegt: sehr unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage, wie viel Marke ein Schiff tragen kann.

Auch das Umfeld ist Teil dieser Inszenierung. Range Rover tritt als Automotive Partner auf, Flexjet im Bereich Privatluftfahrt; Frette, Lanerossi, Zimmer+Rohde, Venini, Cassigoli, Limentani, Poliform, NodoItalia, Agath und Atelier Rebul besetzen Innenraum, Dekor und Hospitality. Dolce&Gabbana gestaltet die Uniformen, Lavazza liefert Kaffee, La Scolca und Ruinart Getränke, Bang & Olufsen Audio, Seabob Wasserspielzeug, Torello Logistik. Der Yacht Club Monaco stellt Räume für Hospitality und Veranstaltungen zur Verfügung. Das ist mehr als Sponsoringkulisse. Es zeigt, wie konsequent der Luxusyachtmarkt längst als geschlossenes Lifestyle-System organisiert wird.