Lunaris Light Sculptures: Unikate mit sichtbaren Spuren

Lunaris Light Sculptures entstehen in einer Stuttgarter Werkstatt als Einzelstücke, deren Entstehung nicht kaschiert, sondern lesbar bleibt. Der Prozess dauert je nach Objekt mehrere Tage bis Wochen, mindestens fünf Arbeitstage. Materialien wie Holz/Wurzeln, Papier, Rattan/Peddigrohr, Kalebasse und Naturstein sind Teil einer Ästhetik, die Textur als Wirkungsträger versteht.

In einer Stuttgarter Werkstatt entstehen unter dem Namen Lunaris Light Sculptures handgefertigte Einzelstücke, die sich dem glatten Produktversprechen entziehen. Im Zentrum steht ein Prozess, der Tage bis Wochen dauern kann – und Material, das seine Herkunft nicht leugnen soll. Hinter dem Projekt steht Marcel Kühn, der seit Herbst 2025 nach eigenen Angaben freischaffend an diesen Lichtobjekten arbeitet.

Ein unscheinbares Stück Holz liegt am Anfang wie ein unentschlossener Satz. Es könnte alles werden. Oder nichts. Oder Möbelhaus.

Werkstattlogik: Wenn Arbeit sichtbar bleiben darf

Was Lunaris behauptet, lässt sich nicht erst prüfen, wenn das Licht angeht. Der eigentliche Test findet früher statt – an der Oberfläche, die hier nicht als Ausrede dient, sondern als Protokoll. Nach Darstellung der Werkstatt wird der Entstehungsprozess nicht wegpoliert: Maserungen bleiben, Übergänge dürfen sprechen, kleine Unregelmäßigkeiten werden nicht zur Schamstelle erklärt, sondern zum Beleg dafür, dass hier jemand tatsächlich gearbeitet hat.

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Kein Baukasten. Keine Serie. Kein Ersatzteil. Und plötzlich ist da ein Gegenstand, der nicht so tut, als könnte er morgen identisch nachbestellt werden – ein Objekt, das sich im Raum behaupten muss, ohne den üblichen Trick der Austauschbarkeit.

Zeit als Material – und als Zumutung

Die Konsequenz dieser Haltung ist eine andere Zeitrechnung. Lunaris spricht von einem Prozess, der je nach Größe und Aufwand mehrere Tage bis Wochen umfasst; als Untergrenze werden mindestens fünf Arbeitstage genannt, größere oder komplexere Objekte dauern länger. Das klingt zunächst wie das altbekannte Mantra des Handwerks – bis man die Logik dahinter ernst nimmt: Entscheidungen werden nicht automatisiert, sondern im Detail erzwungen.

Denn genau dort wird es unbequem. An der Kante. Am Übergang. An der Frage, ob eine Struktur „sauber“ sein soll oder wahr. Wer jemals versucht hat, Material zu zwingen, kennt das Geräusch, wenn es zurückzuckt: Holz arbeitet, Papier widerspricht, Naturstein lässt sich nicht überreden. In diesem Konflikt, so die Erzählung von Lunaris, entsteht die Form – organisch, naturinspiriert, aber nicht beliebig „weichgezeichnet“, sondern über viele kleine Korrekturen in Richtung Stimmigkeit gedrückt.

Das ist keine romantische Pose, sondern eine Praxis, die sich an Zeit bindet: Präzision als Disziplin, Geduld als Werkzeug, und der Luxus, eine Entscheidung auch wieder zu verwerfen, statt sie als „final“ zu verkaufen. Man kann das langsam nennen. Oder konsequent. Oder beides.

Material als Argument: Textur statt Kosmetik

Lunaris arbeitet nach eigenen Angaben mit einem Mix aus Holz und Wurzeln, Papier, Rattan beziehungsweise Peddigrohr, Kalebasse und Naturstein, teils regional bezogen. Entscheidend ist weniger die Liste als die Absicht dahinter: Oberflächen sollen nicht neutral sein. Sie sollen reagieren. Denn Licht ist nicht nur Helligkeit, es ist eine Art Leser – es „liest“ Struktur, betont Erhebungen, verschluckt Vertiefungen, macht aus Textur eine zweite Ebene.

So werden Schatten nicht zum Nebeneffekt, sondern zur eigentlichen Handschrift: mal weich und tief, mal grafischer, mal ruhiger verteilt. Das Objekt macht nicht einfach hell, es zeichnet – und behauptet damit einen Gegenpol zu jener visuellen Hektik, die längst in Innenräume eingezogen ist, als wäre Ruhe nur noch eine peinliche Pause.

3D als Vorschau – nicht als Abkürzung

Für komplexere Projekte oder besondere Wünsche kann der Entwurf laut Beschreibung vorab in 3D visualisiert werden, um Dimensionen und Wirkung im Raum zu prüfen. Interessant ist dabei weniger die Technik als die Grenzziehung: Die Visualisierung wird als Gesprächsraum verstanden, nicht als Produktionsstraße. Sie soll vorbereiten, nicht ersetzen – ein Hinweis darauf, dass Lunaris die digitale Kompetenz nicht als Ausweg nutzt, sondern als Vorlauf für das, was später am Material entschieden werden muss.

Wo diese Objekte landen: Alltag als Prüfstand

Als Einsatzbereiche werden privater Wohnraum, Praxen und Therapieräume, Bars und Restaurants genannt. Das wirkt unspektakulär – und ist gerade deshalb der Prüfstand. Denn dort muss ein Objekt nicht nur „Design“ sein, sondern aushalten, dass Menschen bleiben, dass Gespräche kippen, dass Stimmung nicht geplant werden kann. Funktioniert eine Lunaris-Skulptur, dann eher als stiller Regisseur: nicht dekorativ im Vordergrund, sondern als Präsenz, die man spürt, bevor man sie erklärt.

Preis, Angebot, Behauptung

Die Preisspanne wird je nach Größe und Aufwand mit 800 bis 5.000 Euro angegeben. Das spricht weniger von Luxus als von Varianz: Einzelstücke, unterschiedliche Materialien, unterschiedliche Komplexität. Wer hier kauft, kauft nach dieser Logik keine Wiederholung – und bekommt sie auch nicht. Der Satz „Jede Skulptur wird gebaut, nicht produziert“ wirkt in diesem Kontext nicht wie eine Floskel, sondern wie die nüchterne Übersetzung eines Prozesses, der Austauschbarkeit nicht als Service, sondern als Verlust liest.

Marcel Kühn: Von Stop-Motion zur Werkbank

Hinter Lunaris steht Marcel Kühn, aufgewachsen in der Region Stuttgart; nach den vorliegenden Angaben war die Mutter Malerin, der Vater führte eine Werbeagentur. Kühn studierte Animationsfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg mit Schwerpunkt Stop-Motion und 3D-Animation. Stop-Motion, so lässt sich plausibel aus der Technik ableiten, trainiert Geduld am physischen Objekt; 3D schult räumliches Denken und Lichtführung. Es folgten Jahre im Bereich Visual Effects für Werbung, Spielfilm und Architekturvisualisierung – einer Schnittstelle, an der sich schnell zeigt, ob ein Konzept trägt oder nur gut klingt.

Parallel entstand ab 2020 eine eigene Werkstatt, zunächst nebenberuflich, dann mit zunehmend klarer künstlerischer Handschrift. Seit Herbst 2025 arbeitet Kühn nach eigenen Angaben freischaffend und widmet sich vollständig Lunaris. Das ist der ruhige Kern dieser Geschichte: weg von Projekten, die in Timelines und Teams verschwinden, hin zu Objekten, die allein im Raum stehen – und jede Behauptung beweisen müssen, indem sie wirken.

https://www.lunarislight.de

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