Raoul Kevenhörsters Fotoarbeiten „ZWISCHENRAUM“

Beim AIV zu Berlin-Brandenburg e.V. steht Fotografie auf dem Programm: „ZWISCHENRAUM“ zeigt Arbeiten von Raoul Kevenhörster (Einführung: Sebastian Wagner). Im Mittelpunkt steht Fotografie als Wahrnehmungsprozess – kurze Zeitfenster, Bewegung, Licht, Geometrie, Stimmung. Der Blick richtet sich auf urbane Zwischenräume und temporäre Zustände, auf Identitäten, die nicht festgeschrieben sind.

Crémant, Glühwein, Feuerschale – und an den Wänden Fotografie: Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg e.V. lud zu einem Empfang nach Berlin.

Foto Jan Sobottka
Foto Jan Sobottka

Angekündigt war eine Vernissage mit Arbeiten von Raoul Kevenhörster unter dem Titel „ZWISCHENRAUM“, eingeführt von Sebastian Wagner.

Kevenhörsters künstlerische Praxis bewegt sich an den Schnittstellen von Fotografie, Wahrnehmung und Bewegung. Das Unterwegssein ist dabei kein Nebenthema, sondern ein Prinzip: Übergang statt Ankunft, Blick statt Behauptung. Seine Motive entstehen im vermeintlich Nebensächlichen, dort, wo Stadträume nicht in fertigen Bildern aufgehen, sondern als Zwischenzustände auftreten.

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Der Blick im kurzen Zeitfenster

Die Arbeiten zielen nicht auf das dokumentarische Abbild eines Ortes. Sie funktionieren als subjektive Erfahrungsräume. Bewegung, Licht, Geometrie und Stimmung werden in sehr kurzen Zeitfenstern erfasst und zu einer eigenen Bildlogik verdichtet. Die Kamera ist in diesem Ansatz weniger Beweisgerät als Wahrnehmungswerkzeug.

Damit rückt Zeit ins Zentrum. Nicht als dekoratives „Atmosphäre“-Argument, sondern als Bedingung des Bildes. Entscheidend ist das Dazwischen: zwischen Bild A und Bild B, zwischen Farbe und Form, zwischen Bewegung und Stillstand. Dort sitzt die Komposition.

Schauspiel als Methode der Verdichtung

Kevenhörsters Erfahrung als Schauspieler wird in diesem Zusammenhang als Vorteil beschrieben: Situationen in Sekundenbruchteilen erkennen, intuitiv zuspitzen. Der Vergleich mit einer Bühne liegt nahe, weil Orte wie Szenen gelesen werden können – mit Spannung, Rhythmus und innerer Dynamik. Das Ergebnis ist weniger ein fertiges Stadtporträt als ein Wahrnehmungsprozess, der dem Sehen ähnelt, wenn das Auge von einem Punkt zum nächsten gleitet.

Vernissage als Programm: Prozess statt Zustand

„ZWISCHENRAUM“ versteht sich als künstlerische Reflexion über urbane Zwischenräume, temporäre Zustände und nicht festgeschriebene Identitäten. Gezeigt werden keine abgeschlossenen Räume, sondern Prozesse. Das Unterwegssein erscheint als Grundzustand moderner Stadtwahrnehmung: Der Blick hängt nicht am Ziel, sondern am Weg.

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